PetriVisionen ZAHLEN

[∞] – wo endet die Unendlichkeit?   01. November 2008, 23 Uhr

Woher kommt die Musik? Woher kommt die Musik? Die Frage stellte der schwedische Filmemacher Ingmar Bergman, eine Legende schon zu Lebzeiten, und er stellte die Frage in einem seiner letzten Fernsehinterviews, einige Jahre von seinem Tod.

In der Fernsehreportage sieht man, wie er im Wohnzimmer sitzt, in seinem Haus auf Fårö, und eindringlich die Interviewerin anblickt. Hinter ihm, durch das Fenster, die Wellen der Ostsee - die Fortsetzung des Wohnzimmers in die Unendlichkeit.

Bildwechsel: Der Junge Alexander im Bergman-Film "Fanny und Alexander" hat ein Weihnachtsgeschenk bekommen: einen Kinematografen. Mit einem zusammengeklebten Filmstreifen schafft er sich seine filmische Unendlichkeit.

Die Filmszene hat autobiografischen Charakter; Bergman hat diese Szene als Kind selbst erlebt. Er hat von seiner enormen Aufregung in gerade diesem Moment erzählt, als der Filmstreifen ihn in eine andere Welt versetzte.

Die Unendlichkeit ist eine Perspektive, ein Hintergrund, der in seinen Filmen mehr oder wenig ständig anwesend ist. Sei es die Unendlichkeit in uns Menschen, in der Tiefe unserer Seelen. Sei es die Unendlichkeit der Hoffnungslosigkeit. Sei es die Unendlichkeit als Fundament unseres Daseins.

Woher kommt die Musik? Ich denke, eine Definition von Kunst ist, dass sie uns ein Fenster zur Ewigkeit öffnet. Bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater, Film - Kunst lässt uns erfahren, ahnen, dass es mehr gibt als das, was wir objektiv, mit Hilfe der Naturwissenschaft, fassen können.

Es ist aber nicht nur die Kunst, die Kultur, die den Schlüssel zu diesem Fenster hat. Ich denke, auch wenn wir Menschen lieben, wirklich lieben, dann können wir auch erahnen, dass wir teilhaben an Wirklichkeiten, die weit über das hinaus gehen, was wir normalerweise "die Welt" nennen.

Ich denke, daß wir in diesen Augenblicken, um den christlichen Duktus zu verwenden, der "Herrlichkeit Gottes von Angesicht zu Angesicht" begegnen, wie der Apostel Paulus schrieb und wie Ingmar Bergman auch einen seiner Filme nannte.

Aber die Frage bleibt: Woher kommt die Musik? Ingmar Bergman würde nie eine solche eine Frage stellen, ohne eine Antwort parat zu haben. Er sagte, frei übersetzt ins Deutsche: "Ich glaube, dass die Musik ein Geschenk ist, um uns eine Vorstellung zu geben, von Wirklichkeiten und Welten ausserhalb der Welt, in der wir leben".

Im Film kann die Zeit zusammenfließen. Damals wird Jetzt, Jetzt wird Zukunft. Wie kaum eine andere Kunstform kann im Film die Zeit aufgehoben werden, spielerisch, mit einfachen Mitteln. So schafft man Unendlichkeit, so gestaltet man Ewigkeit.

Woher kommt die Musik? Vielleicht gibt es auch noch eine Antwort Bergmans auf diese Frage. Nach seinem Tod, bei der Trauerfeier, von ihm selbst offenbar minutiös vorbereitet, in der alten Dorfkirche auf Fårö vor gut zwei Jahren, wurde ein altes Kirchenlied gesungen:

"Så tag nu mina händer, och led du mig
Att saligt hem jag länder, o Gud till dig."

Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt
Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht
Du fuehrst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht.
So nimm denn meine Hände und führe mich
Bis an mein selig Ende und ewiglich.

(Håkan Holmlund (Schweden))


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