PetriVisionen ZAHLEN |
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1,2,3 – was zählt? 06. September 2008, 23 Uhr "Höre Israel, der Herr, dein Gott, ist ein einziger Gott." So beginnt das wichtigste jüdische Glaubensbekenntnis. Allerdings stellt dieser Vers die Tatsachen sehr verkürzt dar. Denn neben dem Gottesnamen Jahwe gibt es in der hebräischen Bibel ein Wort für Gott, das eigentlich Götter heißt. Es hat etlichen Jahrhunderte und eine Menge Blut gekostet, bis aus vielen Göttern einer wurde - eine gewaltige, kulturhistorische Leistung. Der eine Gott, aus Dutzenden destilliert. Wir finden noch andere Spuren. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war Tohuwabohu, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes brütete über den Wassern." Das hebräische Wort für Geist, Ruach, ist weiblich und wird von einer in Lübeck nicht unbekannten feministischen Theologin gern mit "die Geistkraft" übersetzt, ermöglicht dies doch assoziative Appelle an die weibliche Seite Gottes, sozusagen die helle Seite der Macht. Der eine Gott, mit gleich zwei Seiten. Dieser Bestand an Gottvater und seinem weiblichen Geist war Jesus bekannt und reichte ihm völlig aus. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte die Trinitätslehre "nicht Not getan". Sie ist ein Kind der jungen Kirche, als sie mit Griechen und ihrem Denken in Kontakt kam. Im Hellenismus war es völlig klar: Ein besonders ungewöhnlicher Mensch musste einen Gott oder eine Göttin im Stammbaum haben. Auch die zeitgenössischen römischen Kaiser kannten keine Skrupel, sich als Götter anbeten zu lassen. Damit Jesus in dieser Liga spielen konnte, bedurfte es göttlicher Beihilfe. In vielen Geschichten im neuen Testament werden Maria und Josef ganz entspannt als "seine Eltern" bezeichnet. Allerdings wurde er durch die Stimme aus dem Himmel bei der Taufe nach jüdischem Brauch rechtskräftig adoptiert: "Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe." Im jüdischen Kontext reichte das, für den Hellenismus musste draufgelegt werden - so kam der Heilige Geist in die Weihnachtsgeschichte, wie bereits erwähnt ist er eigentlich weiblich, aber das wussten die Griechen nicht, zumal er in ihrer Sprache sächlichen Geschlechts ist. Als sich im Gefolge des Paulus die Intellektuellen in der Kirche breit machten, wurde mit mehreren komplexen Syllogismen - literarisch durchaus anspruchsvoll- die göttliche Präexistenz Jesu postuliert. "Das Wort ward Fleisch und wohnte mitten unter uns" - das haben wir im Ohr und wissen: Gemeint ist Jesus. Zuvor heißt es im Johannesprolog: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort". Hier wird die Einheit von Gott und dem Wort, Jesus, behauptet, drei Sätze hinterher wird sie entfaltet - so kann's einem Wanderprediger gehen, der unter die Akademiker fällt. Jesus selbst nannte Gott Papa, auf Aramäisch Abba, und forderte seine Jünger auf, es ihm gleichzutun. Die Rede vom Geist Gottes, der Mut macht und Kreativität freisetzt, war ihm geläufig. Die junge Kirche nahm beides auf, verband diese Autoritäten mit Jesus und handelte, etwa in einer Taufliturgie (1. Kor. 6,11) in diesem dreifachen Sinne: "Aber ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes". Aus zwei mach drei. Der Vater und die weibliche Geistkraft bekamen durch den Glauben der frühen Christen einen Sohn. Die Frage nach der Tatsächlichkeit oder der Realisierung des Ganzen in der Transzendenz ist natürlich unsinnig. Beten ist auch Verbalisation von Befindlichkeit. Wer mit der mütterlichen Geistkraft das Gespräch sucht, interpretiert sein Leben anders als der, der einen zürnenden Gottvater anbetet. Der Blick zum göttlichen Sohn, dem menschlichen Bruder zeigt Gott in Augenhöhe - damit bekommt der Mensch, vor allem der leidende, einen grundsätzlich anderen Stellenwert. Der Eine wendet den Betenden im Gebet drei unterschiedliche Gesichter zu. Der theologisch - anthropologische Mehrwert des Ganzen: Sind bei den Griechen die besonderen Menschen Ergebnisse göttlicher Seitensprünge, sind bei den Römern die göttlichen Menschen Ausfluss schieren Größenwahns und der symbolischen Vergottung des Staates selbst in Gods own Nation Rom, so wird im Glauben der Christenheit Gott selbst Mensch, wahrer Gott und wahrer Mensch, wie die Kirche etliche Jahrhunderte später formuliert. Einer der drei ist in sich zweierlei. Gott wird ein Menschenkind, die Eltern werden vom Kaiser herumgeschubst, die Familie flieht vor dem kindermörderischen Herodes. Gott wird gefoltert und ermordet - und ist doch nicht totzukriegen, das Wort Jesu und das Wort von Christus lebt über Karfreitag hinaus. Die Vergöttlichung des Gekreuzigten gibt dem leidenden Menschen einen ganz neuen Wert - das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel in der Rede vom Menschen. Und deswegen ist die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes, so kraus sie wirken mag, von unaufgebbarer Bedeutung: Der Dreieinige Gott der Christen kann sich nicht mehr im Jenseits verstecken, als Projektionsfläche für Eiferer aller Art. (Uwe Baumgarten) |
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